Kunst

St. Ulrich ist reich an Kunstwerken und kunstvollen Einrichtungsgegenständen.

Unter diesem Link finden Sie die Bilder der Kirche mit Beschreibungen und Datierungen

Altar St. Ulrich

Als Altarbild empfahl Luther 1530 das Abendmahl und die Psalmworte an den Seiten. Mit dem kleinen Bild der Taufe Jesu (unterhalb) ist der Altar ein betont lutherischer Sakramentsaltar für Taufe und Abendmahl.

Das Abendmahlsbild von Johann Heiß 1693 öffnet den Kreis der Jünger zur Gemeinde hin. So ist Platz für jeden am Tisch des Herrn, vielleicht auch für den einfachen Diener im Hintergrund (mit Tuch über der Schulter). Lediglich Judas (im Schatten) hat sich aus dem Kreis selbst gelöst.

2007 restauriert aus Mitteln der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung Augsburg.

Große Bilder zu Hauptfesten

An der rechten Seitenwand finden sich große Bilder, die zu den christlichen Festen passen: zu Weihnachten das Bild der Anbetung der Hirten, zu Ostern das Bild des Auferstandenen, der über den Felsen und den Wächtern schwebt, zu Himmelfahrt die Darstellung Jesu, der von den Wolken hinweggetragen wird.

Das große Weihnachtsbild hat Isaac Fisches im Jahr 1687 für Jacob Schorer (Handelshaus Augsburg-Venedig) gemalt und signiert, der es zum 24. Dezember desselben Jahres gestiftet hat „um seine Liebe zur Ulrichskirche zu bezeugen.”

Zwei der Figuren schauen nicht auf das Kind, sondern in die Ferne (Zukunft): der Hirte mit dem Lamm als Symbol für die Passion Christi, die Magd mit dem Eierkorb als Symbol für die Auferstehung.

2007 restauriert aus Mitteln der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung Augsburg

Opferstock, Kollekte
Bildrechte: Bernhard Offenberger

Kirchenstock

Zur Neuausstattung von 1693 gehören der Altar, das umlaufende Gestühl und dieser historische Kirchenstock, damals gratis bemalt von Isaac Fisches. Er ist auch Maler des Weihnachts- und des Osterbildes, sowie des Gemäldes „Paulus auf Malta” (vorn unter der Empore).

Inschrift: „Jesus sazte sich gegen den Gottes-Kasten/ u: schauete wie das Volk Gelt einlegte; u: vil Reiche legten vil ein. Und eine arme Witwe legte zwey Schärfflin ein. Marc. 12, Luc. 21”

Bilderzyklus an der Empore

An der Empore zeigt ein Bilderzyklus von Franz Friedrich Franck Szenen aus dem Ersten Testament, beginnend bei Kain und Abel bis zur Einweihung des Jerusalemer Tempels durch Salomo.

Durch lateinische Überschriften und deutsche Untertitel werden die Geschichten auf Jesus hingedeutet.

Bildrechte: beim Autor

Joseph wird von seinen Brüdern verkauft (Mose 37, 23–28)

Emporenmalerei von Franz Friedrich Franck 1667: Die barocke Lichtregie beleuchtet die Hauptperson wie im Theater: die kleinste Figur, den kindlichen Joseph. Um ihn geht es. Seine rechte Hand weist auf sein Herz. Gerade erkennt er die Situation. Die Brüder verkaufen ihn an fremde Kaufleute (mit Turban).

Hinter ihm wird das Geld abgezählt. Die Hände weisen wie ein Ballett die Richtung auf die Karawane im Hintergrund. Die meisten Brüder schauen unbeteiligt irgendwohin. Nur einer, ebenfalls lichtbetont, sitzt am Bildrand. Blickt auf Joseph – und rührt sich nicht, trotz seiner massiven Körperkräfte. Das Bild wird zur Anklage: Wie kann sich nur die Eigenverantwortlichkeit des einzelnen so in der Anonymität der Gruppe verflüchtigen?

Bildrechte: beim Autor

Joseph als Herrscher (1. Mose 44)

Emporenmalerei von Franz Friedrich Franck 1667: Dramatische Zuspitzung der Situation auf den entscheidenden Moment, psychologischer Scharfblick, frommes Ethos und malerisches Können (Hell-Dunkel, Räumlichkeit, Lichtregie) erweisen den Bilderzyklus von Franz Friedrich Franck als Meisterstück der evangelischen Emporenmalerei.

Die Brüder kamen wegen einer Hungersnot nach Ägypten. Da gibt es noch Getreide. Mit vollen Säcken wollen sie heim. Da findet sich der Silberbecher Josephs im Gepäck Benjamins. Darauf steht Sklaverei. Juda bittet als Bürge für den Bruder bei Joseph. Noch hat er sich nicht zu erkennen gegeben, doch verstohlen grüßt schon seine rechte Hand.

Bildrechte: beim Autor

Weitere Bilder befinden sich unter der Empore bzw. oben auf der Empore

Isaac Fisches, Paulus aus Malta, Ausschnitt

Die drei südlichen Bilder unter der Empore haben das Glaubenszeugnis des Apostels Paulus zum Thema, hier Apostelgeschichte 28, 16. Deshalb waren die Bilder ursprünglich über dem Gestühl an der gegenüberliegenden Wand angebracht, nahe beim Ort der Verkündigung des Glaubenszeugnisses, der Kanzel.

Das Detail zeigt die Qualität der evangelischen Barockmalerei. Isaac Fisches hat 1680 einen Schiffsbug gemalt, wie ihn nur der Barock gestalten konnte.
2007 restauriert aus Mitteln der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung Augsburg

Die Kanzel mit dem Kanzeldeckel von 1710 zeigt Johannes den Täufer, darunter mehrere Engelsfiguren, die offene Bücher halten, die für die Grundlagen des evangelischen Glaubens stehen, so dieser Engel mit der Confessio Augustana:

Augsburger Bekenntnis 1530 (Confessio Augustana)

Im Auftrag Luthers und der evangelischen Fürsten verfasste Philipp Melanchthon das Augsburger Bekenntnis mit 28 Artikeln für den Reichstag 1530. Es betont die Gemeinsamkeiten mit der alten Kirche und benennt Unterschiede. Die Confessio Augustana wurde zum weltweiten Bekenntnis der Lutheraner. (Nachzulesen: Evangelisches Gesangbuch, Nr. 906)

Confessio-Putto vom Ulricher Kanzeldeckel 1710. Er trägt die Mauerkrone der Stadt und sitzt neben ihrem Wahrzeichen, dem Stadtpyr. Stolz präsentiert er die Confessio Augustana. Bedeutung: das „Augspurgische Jerusalem” ist evangelisch.

Bildrechte: beim Autor

Schließlich ist die Gewölbedecke mit ihrer Stuckverzierung ein herausragendes Zeugnis barocker Baukunst

In der Mitte der Kirche thront in Gold der biblische Gottesname JHWH (auf hebräisch), gerahmt von Symbolen für Christus (Lamm und Kreuz) und den Heiligen Geist (Taube), so dass die Trinität (Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist) im Zentrum der Kirche steht. In der Längsachse sind Symbole für den Ersten Bund (Tafeln der 10 Gebote, Aaronstab) und für den Neuen Bund (Kelch, Taufkanne und Schale, Taube für den Heiligen Geist) zu sehen, umgebend Symbole für christliche Tugenden:

Waage und Anker = Hoffnung

Stuck um 1710 von Matthias Lotter nach künstlerischem Entwurf des Goldschmieds Abraham (II) Drentwett und theologischer Konzeption von Pfarrer Johann Baptist Rentz.

Basis der Stuckdecke ist ein Apostelfries. Bedeutung: die apostolische Grundlage der Kirche. Zwei Achsen bilden ein Kreuz. Vom Eingang (mit dem wachenden Auge Gottes) aus führt der Weg vom Alten Testament (Gesetzestafeln, Aaronstab, Beschneidungsmesser) zum Neuen Bund (Kelch und Taufgerät) beim Altar. Im Zentrum golden der hebräische Name Gottes, zur Kanzelseite der Heilige Geist (Taube), gegenüber das Kreuzeslamm Christi.

Zu den christlichen Tugenden zählt die Hoffnung (Symbol: Anker), zumal die Himmels-kugel in der Waage die Erdkugel überwiegt.